Das Kind und der Kampf um Instagram

Das neue Schuljahr läuft bei uns bereits ein paar Wochen und die magische Zahl rückt beständig ein wenig näher. Keine Fünf, keine Sieben, keine 23. Es ist tatsächlich die Zahl 13.

Warum ausgerechnet 13?
Ein Blick in die AGBs von Instagram bringt die Antwort:

  • Du musst älter sein als 13 Jahre.

Wer sich mit den AGBs von Instagram noch ein wenig weiter auseinandersetzen möchte, dem sei folgender Link empfohlen: Schau Hin!

Soziale Netzwerke sind in unserem Alltag kaum noch wegzudenken und gerade wir Erwachsene leben es den Kindern vor wie intensiv man Facebook, Instagram, Twitter und vielleicht auch Snapchat nutzen kann. Dabei lassen wir Online- & Offlinewelt zunehmend weiter verschmelzen. Sicherlich haben wir alle bereits von den Risiken in Netzwerken gehört. Doch sowas passiert doch immer nur den anderen.

Damit sind wir bereits mitten drin im Thema.
Die Internetuser die vor uns begannen die Datenautobahn zu nutzen hatten noch gar nicht so viele Möglichkeiten damit Unsinn zu gestalten. Mal abgesehen von den technischen Vorraussetzungen die damals noch nicht so gegeben waren.

Menschen wie ich, die zwischen den Jahren 1980 bis 1990 geboren sind, haben den Vorteil, dass sie mit dem Internet zusammen aufgewachsen sind. Wir sind in einem verhältnismäßig sicheren Internet groß geworden, in dem sich die kriminelle Energie erst langsam begonnen hat auszubreiten. Die Menschen die uns anleiteten das Internet zu nutzen wurden noch hellhörig als Cybercrime und Internetabzocke sich entwickelten. Internet war im ersten Moment erstmal etwas Fremdes, in das man sich langsam und vorsichtig vortasten wollte, ohne von sich selbst zu viel preisgeben zu wollen.

Allerdings die uns nachfolgende Generation wächst bereits mit einem Internet auf, das eine unendliche Zahl an Möglichkeiten anbietet. Onlineshopping, Onlinebanking, Onlinetelefonie, Kostenlose Nachrichten versenden, weltweit Kontakte jenseits aller Grenzen halten. Sich verbinden mit Menschen von denen man mal gehhört hat, Sie in ihren Videos im Alltag begleiten, ihnen digital nah sein.
Für Kinder und Jugendliche in der jetzigen Zeit völlig normal und alltäglich.

Das Internet wird genutzt ohne es zu reflektieren. Wenn man einem Kind sagt, dass das Internet aus vielen Computern besteht erntet man erstmal verständnislose Blicke.Gleichzeitig ist es aber dringend nötig zu verstehen, wohin die ganzen Bilder und Videos gelangen. Damit einem klar wird, dass man Bilder nie wieder komplett einfangen kann wenn sie einmal „im Internet“ sind.

Kehren wir nun zu einem Sozialen Netzwerk zurück bei dem es ausschließlich um Bilder geht.
Vor den Risiken von sich verbreitenden Bildern will ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. Darüber wird weitreichend aufgeklärt und auch immer wieder vor gewarnt. Mal abgesehen von der Fragwürdigkeit Nacktbilder sowohl hochzuladen als auch zu verschicken.

„Es sind doch nur Fotos!“ Das ist meist das Argument mit dem der Wettstreit der Worte eröffnet wird. Natürlich nicht ohne vorher noch zu betonen das natürlich „alle anderen das auch haben dürfen und ich dann voll ausgeschlossen bin.
Diese Argumente verhindern natürlich nicht das unausweichliche väterliche „Nein.„. Natürlich könnte man Mama noch fragen, doch einerseits ist die eh Papas Meinung und andererseits weit weg. Heißt: In weiteren Situationen wäre sie eine unerreichbare Verbündete. Demnach bin ich selbst natürlich mindestens ein mal die Woche der „fieseste Papa der Welt!

Ein Verweis auf das Mindestalter bei Instagram wird einfach so zur Seite gewischt, da andere Kinder aus ihrer Klasse das bereits jetzt nutzen. In einem unserer zahlreichen Gespräche habe ich mich mal hinreißen lassen zu sagen „Schön für die. Allerdings kann ich drauf wetten, dass mindestens zwei oder drei Kinder wegen solchen Netzwerken psychisch den Bach runtergehen werden.
Warum denn? Das sind doch nur Fotos…

Ich bin als Sorgebrechtigter meist wirklich recht entspannt und vertrete die Meinung, dass Kinder Erfahrungen machen müssen um sie sammeln zu können. Heißt auch, dass Kinder durchaus an ihre, kontrollierten, Grenzen stoßen dürfen um daran zu wachsen. Bei der digitalen Welt verstehe ich da allerdings wenig Spaß. Vor allem wenn die pubertäre Hochzeit in der Klasse noch ansteht.

Mal abgesehen von dem Thema Mobbing, was ja zunehmend durch die Medien geistert und bekanntermaßen zum Suizid führen kann, wie im Fall von Amanda Todd, sehe ich auch die Gefahren von phsychischen Schäden die sich über die Zeit entwickeln können.
Klar kann man jetzt sagen, dass ich an der Stelle übertreibe. Doch was vermutest du wie ein kindlicher Geist reagiert, wenn dieser immer wieder, täglich, Fotos von perfekten Körpern zu sehen bekommt. Von aufregenden, durchgestylten Leben ohne Stress und Trauer. Von Traumreisen und Luxus.
Ohne die Arbeit und den Stress dahinter zu sehen? Ohne die Bildbearbeitung zu erahnen. Ohne den Verzicht begreifen zu können, den man dafür eingeht.

Minderwertigkeitsgefühle, Trauer, Depression. Wut nicht auch so leben zu können. Der Versuch das auch alles zu erreichen. Essstörungen, psychische Selbstzerstörung.

Es ist nicht das Foto alleine, oder die Fotos die ich fürchte.
Es ist der soziale Druck er dadurch entsteht. Ein Druck dem kindliche Seelen kaum standhalten werden dürften. Mein Job ist es ein mir anvertrautes Kind, für das ich eine Sorge trage, davor zu beschützen.
…und dann bin ich auch bereit „der fieseste Vater der Welt zu sein.“

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