Warum ich nicht date, sondern mich nur treffe. 

Bereits im letzten Artikel Aus den Augen, aus dem Sinn? Beziehungen, Tinder und die Wegwerfgesellschaft hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich kein Dating mag. Auch, dass ich diesem Thema einen eigenen Artikel widmen würde. Nun denn, also los.

Wie ich in den letzten zwei Wochen gemerkt habe, habe ich bei einigen wohl einen Punkt getroffen der beschäftigt. Vielleicht weil ich eine andere Meinung vertrete und es möglicherweise völlig falsch verstehe. Oder ich habe deswegen bei euch einen Nerv getroffen, da ihr ähnlich denkt, oder zumindest so auf neue Gedanken gekommen seid. Daher nehme ich euch heute wieder ein wenig mit in meinen Gedankenwelt.

Erwartungshaltung?
Ich glaube, dass der Hauptunterschied zwischen Dating und einem Treffen die Erwartungshaltung ist. Wenn zwei Personen sich treffen, um zusammen Kaffee trinken zu gehen ist das eine Sache. Ein gewöhnlicher Ablauf wäre da zum Beispiel, dass man sich in einem Café trifft, sich eine gewisse Zeit lang nett unterhält und dann jeder erstmal wieder seiner Wege geht. Vielleicht war man sich so sympathisch, dass man sich erneut treffen möchte.
Beide gehen mit einem guten Gefühl nach Hause.

Anders beim Dating
Man macht sich vor dem Treffen viel mehr Gedanken über das was sein könnte. Je nachdem mit welcher Absicht man datet macht man sich auch die entsprechenden Gedanken. Ist es nur ein oberflächliches Casual Date fragt man sich sicherlich, wie attraktiv die Person in Realität wirklich ist. Sind die Fotos vielleicht doch ein wenig bis stark bearbeitet? Wie alt ist das verwendete Profilbild tatsächlich? Ist er/sie tatsächlich so gut wie ich mir das erhoffe? Vor allem aber die Frage aller Fragen: Taucht die Person auch tatsächlich auf?
Immerhin ist es eben nicht nur ein harmloses Treffen zwischen Personen, die sich bisher, noch nicht in Echt gesehen haben.

Dating war nicht immer ein Begriff der sich auf das Ausloten von sexuellen Möglichkeiten bezog. Bevor man im Deutschen das Wort Dating verwandte waren rendez-vous („begebt euch dahin“), bzw. das eingedeutschte Stelldichein sprachlich wesentlich verbreiteter. Im Deutschen wurden diese Worte hauptsächlich für ein Treffen von romantischen Liebespaaren verwendet. Was meiner Meinung nach deutlich passender ist, für viele Situationen, um die es beim Dating geht.
Viele sind tatsächlich auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin. Sehnen sich nach Nähe, Zuneigung, Zweisamkeit. Nach der sprichwörtlich großen Liebe.
Hoffen jemanden zu finden, der an ihrer Seite bleibt und dort nicht mehr weg möchte.

Damit hat man genügend Sprengstoff beisammen, um ein, unter normalen Umständen nettes, harmonisches Aufeinandertreffen regelrecht in die Luft zu jagen. Denn: Egal, was die Person sagt oder lustig findet, es wird bewertet. Ob es zu seinem selbst passt. Ob es im späteren Verlauf mal zu einem Problem führen könnte. Ob es direkt ein Ausschlusskriterium wäre.
Man lebt dabei weit in der Zukunft, statt den Moment wahrzunehmen. Vielleicht sogar genießen zu können.

Im letzten August bin ich zum Beispiel in die Nähe von Stuttgart gefahren, um mich mit vier Twitterinnen zu treffen. Nein, es war kein Date. Doch meine Marschroute für dieses Treffen war: Wir setzen uns nachmittags nett n wenig zusammen, trinken Kaffee und dann schauen wir mal weiter.
Ich hatte eine Übernachtungsmöglichkeit, doch so weit hatte ich noch gar nicht überlegt. Hätten die Mädels und ich nicht auf einer Wellenlänge gelegen, waäre ich einfach nach einem Espresso wieder in den Zug gestiegen und nach Hause gefahren. Zufrieden nach Hause gefahren. Mein Ziel war es die anderen auf einen Kaffee zu treffen. Stattdessen endete es mit einem sehr unterhaltsamen Abend, über den wir heute noch lachen. Ein Frühstück hängten wir übrigens alle zusammen am nächsten Morgen auch noch dran.

Ein Date ist nur ein Treffen mit einer wesentlich größeren Erwartungshaltung.

Mit diesem Zitat kann man, glaube ich, meine Meinung ganz gut zusammenfassen. Möglicherweise ist man auf einem guten Weg bei einem Treffen oder Date das zu finden, was man sucht. Doch es ist die Erwartungshaltung, unsere krampfhafte Sehnsucht dem Ziel so schnell wie möglich näher zu kommen, tatsächlich das Entscheidenden was uns im Weg steht.

Daher treffe ich mich mit anderen Menschen, um diese und ihre Lebensarten kennenzulernen.
Ohne daraus ein Date zu machen.

Gehabt euch wohl.
Bis zum nächsten Beitrag.

Weiterführender Link zum Thema:

http://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-09/dating-exklusiv-affaere-oder-beziehung

Posted in Gedanken.

Schreibt hier seine Gedanken nieder.

Hält überflüssige Worte für eben genau das. Daher erscheint hier ein Beitrag nur dann, wenn Worte auch gesagt werden wollen.

2 Comments

  1. Da hast du recht. Genau so habe ich es in der Vergangenheit auch gehalten, da gab es den Begriff Dating bei mir noch nicht.
    Einfach treffen, ohne große Erwartungen kommt dem Glück viel näher. Wobei Glück auch so eine Ansichtssache und Bewertung ist.
    Für mich war und ist immer noch wichtig, andere Menschen zu treffen und mich überraschen zu lassen.
    Liebe Grüße
    Martina

  2. Pingback: D wie Date – Sprachlos

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