Deine Strategie: Abwarten und Tee trinken?

„Die reinste Form des Wahnsinns ist alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

– Albert Einstein –

Die Abgabefristen für Projekte oder wichtige Arbeiten rücken immer näher. Schriftkram, der zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein muss. Das Berichtsheft, welches mal wieder dem Ausbilder vorgelegt werden muss und man noch nicht mal weiß, wie es von innen aussieht. Die Wohnung sieht dringend überarbeitungsbedürftig aus.
Oft liegt dem die Angewohnheit zugrunde unangenehme Dinge so lange vor sich her zu schieben, bis sie sich von alleine aufzwängen. „Ich habe so lange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“ ist ein Satz, der dies sehr passend umschreibt.
Im Job ist es vielleicht noch mit der hohen Anzahl von unterschiedlichen Aufgaben zu erklären, aber oft wird das auch im Privatleben durchgeführt.

Beispiel gefällig?
Die eigene Beziehung läuft nicht gut und seit Wochen sollte das Gespräch gesucht werden, um mit dem Partner an einem ruhigen gemeinsamen Abend über das zu reden, was einen selbst beschäftigt. Nur irgendwie ergibt sich dieser Abend nie. Erst ist man gestresst von der Arbeit, dann hat der Partner einen schlechten Tag, dann kündigen sich spontan gute Freunde an und am letzten Wochenende des Monats kommen die Schwiegereltern noch zu Besuch. Schon ist wieder ein Monat verstrichen und geändert hat sich nichts!

Auch wenn die Beziehung mal etwas sehr besonderes war, nach einiger Zeit ist sie zum Alltag geworden.
Warum wartet man also für ein existenzielles Gespräch einen besonderen Moment ab?

Alltägliches sollte man im Alltag erledigen.

Sonst könnte es irgendwann zu spät dafür sein.
Wahrscheinlich wird nämlich genau durch dieses Gespräch ein langweiliger Abend wieder zu einem besonderen Wendepunkt für eure Beziehung. Nichts ist befreiender als endlich seine der Sorgen und Probleme loszuwerden.

Oder hast du dich trotzdem für das Abwarten entschieden? Du bist der Meinung, dass es bisher ja grundsätzlich nicht schlecht war, und sicherlich durch ein Gespräch auch nicht wieder besser werden kann, also lässt du alles so weiterlaufen. Das kann ein ganz fataler Trugschluss sein.
Dein Partner kann genauso fühlen wie du und zu einem späteren Zeitpunkt entschlossener handeln. Dann könnte es nicht mehr das Suchen eines klärenden Gespräches sein, sondern das Vermitteln von Tatsachen. Es ist Aus.
Kommt dir bekannt vor? Mir auch. Im Nachhinein könnte man sich dann so richtig ärgern, doch dann ist es zu spät, um irgendwas noch zu retten.
Chance vertan.

Und lernst du aus diesem Fehler?
Lass es mich so sagen, die meisten werden den Fehler bei der nächsten Gelegenheit wieder machen. Natürlich, es hat ja auch Vorteile verlassen zu werden. Nun mag ich vielleicht in deinen Augen spinnen, aber führen wir uns doch mal die möglichen Argumente vor Augen:

– Du bist eine ganz arme Sau, denn deine Frau hat dich verlassen, vielleicht sogar wegen einem anderen.
– Du hast alle Möglichkeiten genutzt, selbst keine Entscheidungen zu treffen.
– Du musstest keine Verantwortung übernehmen.
– Sie/Er ist der/die Böse, welche dir keine weitere Chance gegeben hat

Was also solltest du tun, um eine Verbesserung für dich zu bewirken?
Nimm dir Zeit und denke darüber nach.

1. Was ist eigentlich das Problem, das mich stört?
Dein Problem ist nun genau welches? Nur, wenn du selbst genau weißt, was dich stört, kannst du auch daran arbeiten und es jemand anderem verständlich machen.

2. Was sind mögliche bzw. akzeptable Konsequenzen für mich?
Nicht nur bei kleinen Kindern gilt: „Drohe nichts an, was du nicht halten kannst.“
Wenn du also androhst dich scheiden zu lassen, oder zumindest aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen, dann ziehe das auch durch. Nur so bleibst du dir selbst treu und wirst bei solchen Drohungen ernst genommen. Alles andere führt letztendlich nur zu einem ewigen Hin und Her und deine Drohungen werden nur noch belächelt.

3. Welche Kompromisse bin ich bereit einzugehen?
Es gibt nur eine Person, die diese Entscheidungen treffen kann: DU!
Wichtig ist hier, wenn du Kompromisse anbietest, dann lege vorher den Gültigkeitszeitraum fest: Möchtest du sie zeitlich begrenzt oder endgültig? Eure Abmachung muss verlässlich sein, denn sonst wird man dir zu Recht vorwerfen inkonsequent oder vielleicht sogar unberechenbar zu handeln.

4. Bis wann will ich das Problem erledigt haben?
Lege eine Deadline fest. Oder willst du weiterhin Abwarten und Tee trinken?

Ich habe heute hauptsächlich das Thema Beziehung angesprochen, doch bin ich überzeugt davon, dass in vielen anderen Bereichen genauso die Verantwortung für das eigene Leben von sich geschoben wird.

Was mich allerdings nun noch interessiert ist: In welchen Lebensbereichen nutzt du immer wieder die Chance Dinge aufzuschieben und sprichwörtlich „abzuwarten und Tee zu trinken“?

Posted in Allgemein.

Schreibt hier seine Gedanken nieder.

Hält überflüssige Worte für eben genau das. Daher erscheint hier ein Beitrag nur dann, wenn Worte auch gesagt werden wollen.

2 Comments

  1. Ich denke eine gute Mischung ist der Schlüssel. Manchmal müssen Dinge abgewartet werden, da sie sonst keine Möglichkeit haben zu „reifen“, schließlich ist nicht jedes Gefühl, jeder Gedanke oder Eindruck unbedingt das richtige für einen. Manchmal muss man die Perspektive verändern. Doch das ist ein anderes Thema.

    Mir ist aufgefallen das ich Dinge nur dann aufschiebe, wenn ich aus irgendeinen Grund einen Widerwillen dagegen habe. Beispielsweise, bei einem Konflikt mit einem Freund. Wenn etwas in mir nagt und ich weiß, eigentlich sollte ich das Gespräch suchen und ich es dennoch aufschiebe, dann hat das meist mind. eine Ursache. Entweder, weil ich das Gefühl habe abgelehnt zu werden, das ich nicht ernst genommen werde, vielleicht weil ich mich sorge mein Gegenüber könnte verletzt sein, aber das interessiert mich ja nur dann wenn ich Angst habe abgelent zu werden.

    Das selbe Prinzip gilt bei den banalsten Dingen. Möchte ich nicht aufräuemen oder schiebe ich schon seit Wochen einen Termin auf dann hat es meist einen Grund.

    Man sollte sich wie du schon sagst, damit auseinander setzen.

    Großes Kompliment für deinen Beitrag 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.