Ein Gutschein und 1x Paris bitte – Prolog + Anreise

Kindertypisch sollte die ganze Welt bereist werden. Immer wieder hörte ich „Papa, da müssen wir hinfahren.“ Auf die Frage, was sie denn da machen wollen würde, kam dann entweder Schweigen oder „Ich will mir einfach die Stadt ansehen.“
Und so führte das Ganze zu einem Gutschein zu Weihnachten: Drei mal Frühstück in einer europäischen Hauptstadt.

Ich muss zugeben, ich habe eine diebische Freude daran Andere zu überraschen. Vor allem dann, wenn es völlig offensichtlich ist und gleichzeitig zu einer Überraschung wird. So auch dieses Mal. Meine Tochter rechnete damit, dass wir mal eben kurz in eine Stadt fahren, dort frühstücken und dann zurück. Denkste!

Da ihr bisher einziger Auslandsaufenthalt sie vom Ruhrgebiet nach Venlo (NL) geführt hatte, hatten wir noch reichlich Hauptstädte zur Auswahl. Wohin allerdings mit einem 10jährigen Kind reisen?
Gerade dann wenn laufen „voll doof“ ist. Worüber Lea zum Beispiel hier schonmal geschrieben hatte. Roadtrip fiel auch raus. Einerseits, da ich kein Auto habe, andererseits bekommt das Kind bei Autofahrten in kürzester Zeit Kopfschmerzen. So fiel die Optionen für die Fortbewegung in sich zusammen.

Da ich passionierter Bahnfahrer bin folgte schnell die Idee mit Interrail. Problem hierbei allerdings: Wenn man die Tage für die Städtetrips nutzen wollte, müsste man Nachts fahren. Nachtzüge allerdings sind verhältnismäßig teuer. Gerade im Ausland. Also musste noch ein Plan her. In der Zwischenzeit stolperte ich über den EuroNight 452. Auch ein Nachtzug, der allerdings von Moskau nach Paris fährt. Durchgehend. Über Berlin.

So entwickelte sich die erste offensichtlich versteckte Überraschung. In der Theorie zumindest, aber dazu später.
Plan war also: Ein kleiner Ausflug nach Berlin, nett frühstücken und dann den Tag dort verbummeln. Dann auf dem Rückweg um 21:00 in den Zug einsteigen und losfahren. „Zurück nach Hamburg“. Allerdings wenn Madame aufmerksam sein würde, hätte Sie bereits hier die Chance zu erkennen, dass statt Hamburg Paris als Zielort angegeben wäre. Spätestens beim Blick in den Schlafwagen wäre sie aber misstrauisch geworden. Abfahrt 21:00 Berlin, Ankunft 09.30 Paris. Wäre ne schöne Überraschung gewesen.

Problem an der Idee: Dieser Zug wird ausschließlich von der russischen Eisenbahn vermarktet. Buchung maximal 60 vorher möglich. Zuerst war ich 3 Monate vorher bei der Bahn. Zu früh also. Als ich das zweite mal im DB Reisezentrum war, ihr ahnt es vielleicht, war der komplette Zug ausgebucht. Ich hätte nicht mal mehr alleine mitfahren können. Unabhängig von der Reisekategorie. Ausgebucht auf Wochen und das bei einem Preis von 300-400€ im Schlafwagen. One Way. Inklusive Kinderrabatt.

Das lange Kindergesicht konnte man sich sicherlich vorstellen. Plan B? Dann fliegen wir eben.
Also ab zum Flughafen nach Last Minute Angeboten schauen. Problem an der Geschichte: Unser Reisezeitpunkt war in der Woche vor Ostern. Ostern ist kein guter Indikator für günstige Flugreisen. Ich hatte mir ein Limit von ca. 500€ gesetzt für einen Zeitraum von ca. drei oder vier Tagen. Der Flughafenmitarbeiter kam nichtmal annähernd in die Nähe meiner preislichen Vorstellungen.
Also erstmal wieder nach Hause. Die Stimmung war bei allen Beteiligten deutlich getrübt.

Aber wer verreisen will, findet Wege.
Abends dann nochmal das Internet konsultiert und rein aus dem Bauch heraus entschlossen.
Es wurde dann eine Ameropa-Reise nach Paris ohne den Umweg über Berlin. Wer nur ein paar Randdaten kannte hat uns wahrscheinlich für ein wenig bescheuert gehalten. Acht Stunden Zugfahrt.
Alleine diese Tatsache löste bei den meisten schon die Revolution aus. Mein Kind ist da im ersten Moment nicht anders. Allerdings wandelte sich ihre Ablehnung schnell in diesen „Verdammt gute Idee!“-Blick.

Abteilplatz? 06:00? Erstmal lang machen!

Abfahrt 06:03 in Altona.
Altona ist immer wieder mein Lieblingsbahnhof. Nicht weil er so schön und ästhetisch ist, sondern weil er vor dem HBF liegt. Die meisten Züge starten hier und der Zug ist dann immer noch sehr angenehm leer. Sollte ich mal nur gen Süden fahren spare ich mir meistens eine Platzreservierung, da ich in Altona noch massig Platz und zeit habe mir einen freien Sitzplatz zu suchen. Dieses Mal allerdings gab es keine freie Platzwahl. Wir hatten uns Reservierungen zugelegt und zwar in einem Abteil. Denn da kann man sich quer über die Sitze so schön breit machen. Vor allem morgens um 06:00. Also Füße Ausgestreckt und Schlafen bis Hannover. So der Plan. Dieser hatte auch hervorragend geklappt. Natürlich wurde es dann pünktlich in Hannover voll im Zug. Doch was macht man im ICE wenn man nicht mehr schlafen kann?
Richtig. Das WiFIonICE nutzen. Das bordeigene Internetportal der Bahn in ICEs. Ich war sehr überrascht was sich da alles getan hatte. Maxdome, Hörbücher, Sprachkurse (wie praktisch für jemanden der kein einziges Wort französisch sprechen kann) und noch einiges mehr. Was mich daran am meisten begeisterte: Alles Gratis.
Erinnert mich nächstes mal bitte daran, dass ich das Fantasyhörspiel noch weiterhören wollte 😀

Dann Umstieg in Karlsruhe in den nächsten ICE. Ab der Landesgrenze allerdings dann leider ohne das mittlerweile heißgeliebte ICE-Portal. Also doch nochmal eine Runde schlafen. Das ging auch wieder hervorragend. Was allerdings Lea ein wenig irritierte waren diese „Luftlöcher“ beim Fahren. Das Gefühl kann man in etwa so beschreiben als würde man im Zug gerade in eine Senke kommen und der Zug federt einmal deutlich spürbar durch. Wahrscheinlich kommt das der Realität sogar ziemlich nahe. Denn die Strecke zwischen Karlsruhe und Paris wird mit ca. 320km/h befahren.
Spannend und lustig wars auf jeden Fall.

Bei der Buchung unseres Hotels gab es tatsächlich nur ein Kriterium nach dem ich in Bruchteilen entschieden habe, dass es das richtige Hotel wäre. Die Nähe zum Bahnhof. Für die An- und Abreise hatte ich beschlossen nicht all zu weit Laufen zu müssen und auch nicht zu wollen. Unser Hotel war also ca. 15min Fußweg vom Gare de´l Est entfernt. Schon praktisch mitten in der Stadt anzukommen und fast am Hotel zu sein. Wie ich später erfahren habe, muss man nämlich von den Pariser Flughäfen noch fast eine Stunde mit dem Zug in die Stadt rein fahren.

Also gut, möge der Fußmarsch beginnen. Um 14:06 in Paris.

Kirche St. Vincent de Paul de Paris

Erstaulicherweise vom Kind keinerlei Gemaule. Lag wohl an der neuen Stadt. Überall gab es etwas Neues zu sehen, alles war ungewohnt und „anders“. Vor allem hatte sie hatte einen riesen Spaß dabei, bei jeder Gelegenheit zu sagen „Ooooor Papa! Die Ampel war ROT!“

Dazu aber dazu im nächsten Teil mehr…

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Schreibt hier immer mal wieder seine Gedanken nieder.

Da er überflüssige Worte für eben genau das hält, erscheint hier nur ein Beitrag wenn er der Meinung ist, dass diese Worte auch gesagt werden sollen.

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