Flüchtlinge – Ist das dieses Sommerloch 2015?

Draußen hat es ca. 15- 20 Grad. Hier in  Hamburg sogar nur 8 Grad. Im Juli. Das diese Verhältnisse manche Sommerliebhaber aufregen ist verständlich. Ich hätte auch lieber  Grad, Sonne und ein wenig Wind. Neben dem Wetter gibt es gerade in Deutschland noch ein weiteres riesiges Theater um „die Ausländer“.
In den Sozialen Netzwerken die ich verfolge wie Facebook und Twitter tobt gerade wieder der Mob.

Da war man gerade nach ein paar Monaten endlich beruhigt, dass es um Pegida ruhig geworden war. Nachdem die sich innerlich und inhaltlich selbst zerlegt hatten und die „Spaziergänge“ endlich mit einer Masse an Gegendemonstranten beantwortet wurden. Dann kam das Thema der „bösen, verschwenderischen, asozialen Griechen“ auf.
Wer sich einen kurzen Überblick alleine über die Schlagzeilen machen möchte, kann sich gerne mal dieses Video ansehen:

Und in den letzten Wochen kam dann massiv das Thema Flüchtlinge auf. Erst begann es nur damit das zig Tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Nussschalen ertrunken sind und es den völlig bescheuerten Vorschlag gab die Flüchtenden direkt auf dem Wasser mit Torpedos zu versenken. Um weitere Flüchtlinge davon abzuhalten nach Europa kommen zu wollen.

Ein kurzer persönlicher Einwurf dazu noch:
Ich habe mich in der Zeit als das mit den Bootsflüchtlingen aktuell war mit einem Bekannten unterhalten der sich selbst auch als rechts, aber nicht rechtsradikal bezeichnet. Zu meiner eigenen Überraschung waren wir sehr schnell einer Meinung. Etwas was es sehr selten bisher zum Thema Aussen- und Integrationspolitik vor kam. Auch er fand es eine Sauerei, die Menschen den Gefahren einer Überfahrt auszusetzen und es müsste doch machbar sein im Herkunftsland Asylanträge stellen zu können. Wie dann mit den Anträgen umzugehen sei, da gingen unsere Meinungen dann wieder auseinander. Aber was da in der Mittelmeer-Politik abging war eine Sauerei. Darüber waren wir uns beide einig.

Und dann in den letzten Wochen massivste Proteste gegen Flüchtlinge, Flüchtlingsheime und Zeltstädte zur Unterbringung. In Jenfeld, Meißen, Freital, Winterhude, Tröglitz, Blankenese.

Laut einer Forsa-Umfrage für das Magazin stern, ist die Mehrheit der Deutschen über die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte beunruhigt. Demnach machen sich 67 Prozent der Bundesbürger deswegen „große“ oder „sehr große“ Sorgen. Die wachsende Zahl an Flüchtlingen hingegen besorgt die Mehrheit seltener.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden in diesem Jahr bis Ende Juni bereits 150 rechtsextremistische Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte gezählt. Im gesamten Jahr 2014 waren es laut Verfassungsschutzbericht 170, 2013 wurden nur 45 Vorfälle berichtet.

Zeit online – BAMF-Chef zeigt Verständnis für Proteste gegen Flüchtlinge

Um auf den Titel zurück zu kommen: Nein, das ist leider kein Sommerloch-Journalismus der da läuft, das ist ein riesengroßes gesellschaftspolitisches Problem!

Andererorts beklagen sich die Anwohner darüber, dass ihre Wohngegend durch die Flüchtlingslager einen Wertverlust erleiden würden und sie deswegen statt zu Pöbeln und zu Beleidigen einfach gegen die Flüchtlingsunterkunft vor Gericht ziehen.

Und Deutschland ist ja sowieso schon Weltmeister bei der Flüchtlingsaufnahme: Fast

Jetzt mal so ganz unter uns: Was läut denn da für eine bescheuerte Scheiße von Rechts? #RefugeesWelcome

[Tweet „Jetzt mal so ganz unter uns: Was läut denn da für eine bescheuerte Scheiße von Rechts? #Refugeeswelcome“]

Ja, Deutschland ist ein Land, in dem es einen vergleichsweise hohen Lebensstandard gibt.

Ja, wir haben ein Sozialsystem, welches den Namen auch verdient.

Nein, manche in Deutschland lebenden Menschen haben immer noch nicht verstanden, dass es für eine friedliche Zukunft unerlässlich ist aufeinander zu zu gehen.  

 

Wenn Männer, Frauen und Kinder vor Krieg, Folter und Hunger flüchten und in dem „Land ihrer Träume eine völlige Desillusionierung erleben, kann ich verstehen, dass man nur noch von einem zum nächsten Augenblick lebt und jede Möglichkeit nutzt, um sein eigenes Überleben zu sichern. Auch wenn das Diebstahl bedeutet. Was ich sehr gut finde, ist das es Menschen gibt, die die Flüchtlinge wirklich willkommen heißen. Eine Willkommenskultur ist meiner Meinung nach unerlässlich, wenn man einerseits noch mehr Flüchtlinge aufnehmen will bzw. muss und andererseits um die damit entstehenden Probleme zu bewältigen.

Neben den Aktivitäten die zeigen, dass nicht nur Flüchtlingsgegener in Deutschland leben, entwickeln sich so langsam immer mehr Projekte um Flüchtlinge mit in die Gesellschaft einzubinden und so mindestens eine soziale Perspektive in Deutschland aufzuzeigen. Zum Beispiel indem der SV Babelsberg 03 ein eigenes Fußball-Team mit Flüchtlingen aufstellt und sie dadurch am Sport teilhaben lässt.

 

Ich glaube meine persönliche Meinung zum Thema Flüchtlinge kommt in dem Artikel recht gut durch. Für alle, die es bisher noch nicht rauslesen konnten:

Die nationalistische Kackscheiße, die da im Moment in Deutschland läuft, ist für einen wohlhabenden Staat wie Deutschland ein riesengroßes Armutszeugnis.

Die Flüchtlinge wollen ein Leben in Sicherheit und sich langsam aber sicher wieder eine Zukunft aufbauen. Das ist ein Wunsch, den wir alle nachvollziehen können und doch verweigern wir uns der Empathie und sehen in den Flüchtlingen nur Diebe, Mörder, Vergewaltiger und Menschen die „uns Deutschen“ etwas wegnehmen wollen.

Denkt doch da mal dran, wenn ihr das nächste mal wieder Sushi, Pizza, Döner oder Burger bestellt.
Und jeder, der das nächste Mal einen Satz beginnt mit den Worten „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge/Ausländer, aber ….“, der wird so lange in die stille Ecke gestellt, bis er oder sie begriffen hat, was bei dem Satz der Widerspruch ist. Kleiner Tipp am Rande: Alles vor dem Komma ist gelogen.

Nun interessiert mich deine Meinung zu dem Thema. Liege ich völlig falsch mit meiner Meinung?
Schreib es mir in die Kommentare.

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Hält überflüssige Worte für eben genau das. Daher erscheint hier ein Beitrag nur dann, wenn Worte auch gesagt werden wollen.

2 Comments

  1. Hallo Jan,

    selbstverständlich muss man Flüchtlingen helfen, das steht außer Frage. Jeder Einzelne sollte sich fragen, wie er oder sie behandelt werden möchte? Als Flüchtling. In der Fremde, der Sprache nicht mächtig, ein unendlich langer Weg und nicht zu wissen, wie es der Familie geht, weil man getrennt wurde. Mit der Gewissheit, dass die Heimat zerstört ist und die Schergen einem im Nacken sitzen. Wenn wir unsere Menschlichkeit nicht verlieren wollen, müssen wir handeln. Jetzt und in Zukunft.

    Sei gegrüßt.
    Christian

    • Moin Christian,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich glaube, dass die Empathie die man für solche Überlegungen braucht einem in dieser Gesellschaft nach und nach abtrainiert wird. Leider.

      Um so mehr bewegt es mich zu sehen wie Flüchtende zB in den letzten Wochen in München und anderen Städten freundlich aufgenommen wurden.

      Gruß Jan

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