Was tun, wenn der Flüchtlingsdeal platzt?

Ruhig ist es geworden in der deutschen Politik. Man beschäftigt sich mit der Präsidentenwahl in den USA, mit der Nachfolge unseres Bundespräsidenten und am Rande mit der AFD. Letztere muss natürlich gestoppt werden. Apropo gestoppt: Hat jemand zuletzt was von den Flüchtlingen gehört?
Die sind nämlich im Moment alle in der Türkei gestoppt worden. Natürlich mit Ausnahme derer, die im Mittelmeer ertrinken. Klingt bis hierhin ein wenig böse? Gut. denn mir stinkt da was ganz gewaltig.

Nach dem Putsch in der Türkei war der Aufschrei noch ganz groß, wie Erdogan es wagen könnte so rigoros gegen Kritiker vorzugehen. Plötzlich ging eine Schublade auf mit zehntausenden Namen. Aus allen Bereichen der Gesellschaft. Alle wurden suspendiert, verhaftet, oder direkt gekündigt. Zeitweise wird dort die Todesstrafe zurückgefordert. Kann man alles mal so hinnehmen. Gut finden muss man es auch nicht. „Ist ein fremdes Land“, mögen einige sagen. Oder: „Andere Länder, andere Sitten“. Nochmal kurz zur Erinnerung sei gesagt, die Türkei möchte Mitglied der Europäischen Union werden. Die Union die sich aus einer Wertegemeinschaft zusammensetzt. Darin hat die Todesstrafe zum Beispiel allerdings keinen Platz. Ansonsten, mehreren Medien zufolge, verwandelt sich die Türkei langsam aber sicher immer mehr zu einem totalitären Staat. Auch das sehen die Werte der EU so nicht vor.
Warum aber schweigen dann die europäischen Politiker?
Weil sie ein Problem outgesourced haben.

Kein Politiker der ein christlich-soziales Meinungsbild hat sollte es wortlos hinnehmen, wenn tausende Menschen auf der Flucht nach Europa sterben. Wie tausende Leichen täglich aus dem Mittelmeer gezogen werden. Jede Einzelne steht für eine gestorbene Hoffnung.
Es könnte so einfach sein.

Macht die Tore weit. Damit rettet man vielleicht tausende Menschen, doch ruiniert definitiv seine politische Karriere. Denn das eigene Volk hat Angst. Angst vor dem Unbekannten. Vor Menschen die anders aussehen. Andere Bräuche haben. Andere Sprache sprechen.

Sie wollen tatsächlich eine Mauer um sich bauen, um mit „denen da“ nichts zu tun zu haben.

Was also tun? Genau, alle ankommenden Hilfesuchenden in der Türkei ausbremsen. Die Flüchtlingskrise in Deutschland ist nicht behoben. wir haben nur die umliegenden Länder dazu motiviert keine mehr durchzulassen. Heißt aber im Umkehrschluss auch: Es hat jemand gegen uns etwas in der Hand. Entweder wir halten uns aus deren Politik heraus, oder die Flüchtlingsströme werden ungehindert die Türkei durchqueren können. Deutlich gesagt, wir sind erpressbar geworden.

Bedeutet also, wie erpressbar sind unsere Politiker? Wo ist der Punkt, an dem sie moralisch gesehen ihre Stimme erheben müssen? Den Verlust wie vieler Menschenrechte können sie moralisch verkraften, bevor sie die Flüchtlingsströme erneut riskieren?
Noch wissen wir es nicht.

Ich persönlich vermute ja: Wenn es sich in die Richtung weiter entwickelt in die es zur Zeit geht, dann werden wir es irgendwann herausfinden. Denn die Flüchtlinge werden nicht weniger. Und die ersten türkischen NATO-Soldaten beantragen mittlerweile schon politisches Asyl aus der Angst heraus wieder in ihrem Heimatland stationiert zu werden

Spielen wir das Ganze doch mal gedanklich durch.
Was passiert, wenn der Flüchtlingsdeal platzt? Wenn die Flüchtlingsstaumauer Türkei bricht.

Wir haben hunderttausende neue Menschen, die alle Hoffnung in der EU suchen werden. Einem Staatenverbund mit ca. 500.000.000 Menschen. Klingt viel? Schon, aber meint ihr da fallen nun n paar Millionen mehr Menschen so sehr ins Gewicht, dass alle Kultur zerstört wird? Macht euch nicht lächerlich. Kultur ist etwas, was sich stetig verändert. Früher gab es im 14. Jahrhundert noch Bier zum Frühstück. Mittlerweile: Kein Bier vor Vier.

Die größte Frage wird aber sein: WO sollen die alle hin? In die Innenstädte? Aufs Land?
Wenn man eine Integrierung verhindern möchte, sollte man die Gruppen von zusammenlebenden Geflüchteten klein halten. Sie durch die Äußeren Umstände dazu nötigen sich Anzupassen. Ist ein radikaler Ansatz. Ist mir bewusst. Ein anderer folgt gleich noch. Problem dabei: Wohnraum. In deutschen Großstädten wie zum Beispiel Hamburg fehlt jetzt schon bezahlbarer Wohnraum und in der Hansestadt liegt die WG-Dichte bei 40%. Der bundesdeutschen Durchschnitt deutlich darunter.
Ist also erneuter Zoff zu erwarten. Auf allen Ebenen der Politik.

Soll die EU sie doch aufnehmen!
Schon vergessen? DU bist die EU. Genau das ist doch das Problem an der ganzen Sache. Jeder sagt ein anderer soll es machen. Manche Länder ziehen direkt wieder die Grenzen hoch und sichern sie mit Zäunen. Nein, damit nicht die Mauer zwischen Mexiko und den USA. Ich rede von der Balkanroute, mitten in Europa die faktisch dicht ist. Verteilungsquoten sind noch weit entfernt. Der Rechtsruck in der nationalen Politik immer stärker. In Deutschland die Politik getrieben von der Angst vor dem Erstarken der AFD.

Ich vermisse einen Politiker, der mir an einem Beispiel sagen kann, wie die einzelnen Schritte der Eingliederung tatsächlich funktionieren sollen. Inhaltlich sind wir von dieser Diskussion noch Lichtjahre entfernt. Gefühlt geht es erstmal darum, wo die Flüchtenden erstmal alle hin kommen.

Denken wir mal den Gedanken zu Ende, wenn wir die Ankommenden nicht dezentral unterbringen können. Dann lasst sie eigene Städte gründen.
Ja, ich höre euch schon alle schreien. Bleiben wir pragmatisch. Ihr wollt nicht von täglich tausenden neuen Toten hören? Aber ain eurer Mitte aufnehmen wollt ihr sie auch nicht?
Wo sollen sie denn dann verdammt noch mal hin?

Du als LeserIn hast sehr wahrscheinlich einfach ein riesiges Glück in der Arschkartenlotterie gehabt. Du nicht in Syrien, Afghanistan, Indien, oder dem Sudan geboren bist. Was hast du dafür gemacht? Exakt nichts!

Wundert es dich, dass alle nach Deutschland oder in die EU streben? Einer Region, in der es Trinkwasser gibt. Wo seit 70 Jahren ununterbrochen Frieden ist? Wo die Chance besteht etwas aus seinem Leben zu machen? Sich ein Leben nochmal aufzubauen?
Ich würde fast soweit gehen, das das heutige Europa das Amerika der aktuellen Zeit ist. Ganz ehrlich, was würdest du tun, wenn es hier wieder zum Krieg kommen würde? Wenn du hier alles verloren hättest? Du würdest dir den verdammtes Smartphone schnappen und ins nächste halbweg sichere Land weiterziehen. Das ist nämlich dann die Alternative zum Sterben.

Kommen wir zurück zu den neuen Städten. Es ist kein Zufall, das New York so heißt wie es heißt. Oder Neu Deli.
Warum also nicht etwas ausprobieren was bereits schon einmal probiert hat?

Weist ihnen Land zu und lasst sie bauen. Schafft dadurch in der heimischen Wirtschaft Beschäftigung. In der Baubranche. In der produzierenden Industrie. Schafft endlich die Arbeitsplätze für die es massig top ausgebildete Experten gibt, die in der jetzigen Arbeitsmarktsituation keinen Job bekommen, weil es einen Mangel an Arbeitsplätzen gibt.
Stellt das ganze unter EU-Recht. SO kann die EU beweisen, dass sie ein tragfähiges Recht erschafft vor dem wir keine Angst haben müssen und uns nicht wegen unsinniger Paragraphen über die weltfremdheit in Brüssel wundern müssen. Bietet den Flüchtlingen das, was sie am meisten brauchen. Eine Zukunft.

Nicht erst seit Dschaber al-Bakr wissen wir, dass die Ankommenden bereit sind für uns etwas zu leisten. Wenn sie wissen wofür sie es tun. Macht Europa so attraktiv, dass deren Verlust zu schwerwiegend ist hier Tod und Verderben entstehen zu lassen.
Macht Europa zu einer Einheit auf die man blicken kann, um dann zu sagen: Nirgendswo anders möchte ich sein.

Mir ist bewusst, dass es bis zu dieser Vision noch Jahrzehnte dauern würde. Doch irgendwann müssen wir anfangen. Sonst wird uns der Terror gnadenlos treffen. Weil wir keine Menschen haben werden die für ihren Kontinent, für ihre Werte bereit sind aufzustehen.
Und nur wenn wir es schaffen Werte wie Freiheit, Gleichheit, Freizügigkeit und Respekt zu transportieren, dann haben wir auch das Recht dieses von unserem Gegenüber zu verlangen.

Nur wenn wir es schaffen den hier lebenden und ankommenden Menschen eine Zukunftsperspektive anzubieten für die es sich lohnt etwas zu tun, dann wird Europa weiterhin ein Vorreiter der Kultur sein. Ansonsten hat es seinen Untergang mehr als nur verdient. Dann ist es nur ein Gebilde eines gescheiterten Gedankenkonstrukt.

Für alle die sich über die Idee von den neu zu gründenden Städten weiter informieren wollen, lasse ich im Anhang noch den Link zum Deutschlandfunk. Dort wird nochmals deutlich umfangreicher über diese Idee geschrieben.
Bei allen anderen, die bis hierhin tatsächlich gelesen haben, würde ich mich freuen wenn ihr einen Kommentar schreiben würdet. Denn offensichtlich habt ihr auch eine Meinung dazu.

Ansonsten wünsche ich euch noch einen schönen Donnerstag.
Bis später.
Gehabt euch Wohl.

Link zum Deutschlandfunk: http://www.deutschlandfunk.de/integration-lassen-wir-fluechtlinge-eigene-staedte-nachbauen.694.de.html?dram:article_id=346590

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