Fragst du? – Über Mut, Klarheit und Verbindlichkeit

Da Twitter laut Google Play ab 18 Jahren ist, folgt nun ein Thema mit dem wir uns vermutlich alle schon einmal auseinandergesetzt haben.
Wie ist das eigentlich, ab wann ist man zusammen?“

Der Eine oder die Andere erinnert sich vielleicht noch an damals. Als die kleinen Zettelchen auftauchten. Heimlich natürlich. Denn es durfte ja am Anfang noch nicht jeder direkt wissen was los ist. Um sich die Schmach vor den Anderen zu ersparen, wenn die geliebte Person „Nein“ angekreuzt haben sollte.

Ein kurzes beruhigendes Wort vorweg noch: Wenn ihr glaubt mit diesen Erinnerungen alt zu sein, so könnt ihr euch beruhigen. Das wird heute immer noch so praktiziert. Nur die Erwachsenen sind da mittlerweile deutlich selbstbewusster und wissen wie man so etwas angeht.
Oder etwa doch nicht?


Offensichtlich nicht.

In einer völlig unrepresentativen Umfrage unter meinen Followern kam raus: Eigentlich gehen fast  ⅓ der Befragten in einer Beziehung davon aus, dass sie in einer Beziehung sind. Immerhin fühlt es sich doch so an und mein „Partner“ fühlt doch sicherlich ebenso.

Überraschend war für mich der Anteil von fast 40%. Also irgendwie wird über das Thema schon gesprochen, aber so wirklich ernsthaft muss man das auch vielleicht gar nicht besprechen. Oder etwa doch?!?
Ok, das Letzte war nun Interpretation von mir. Allerdings wirft diese Herangehensweise bei mir auch Fragen auf. Dazu im weiteren Verlauf an geeigneter Stelle nochmal mehr.

Kommen wir zur mittleren Antwortmöglichkeit. Hätte ich in meiner Umfrage selbst mit abgestimmt, wäre diese meine ausgewählte Möglichkeit gewesen. Tatsächlich überrascht es mich, dass es die Option mit den wenigsten Stimmen war. Gerechnet hätte ich eher mitca. 50%. Doch Umfragen können eben auch immer mal wieder überraschend sein.

Wer es vor Kurzem mitbekommen hat weiß, dass ich eine neue Partnerin habe. In diesem Zusammenhang tauchte natürlich vorab auch die Frage auf „Was ist das eigentlich zwischen uns?“
Zu dem Zeitpunkt als sie gestellt wurde habe ich sie tatsächlich ein wenig ausweichend beantwortet. Das liegt jedoch nicht an fehlender Zuneigung, sondern an der Tatsache, dass wir einige Kilometer auseinander wohnen.
Als diese Frage im Raum stand, hatten wir online schon sehr viel Zeit miteinander verbracht. Sowohl in Texten als auch in Telefonaten. Tatsächlich wollte ich jedoch zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort geben. Vielleicht bin ich da ein wenig von vorsichtigen Herangehensweisen geprägt, doch ich möchte erst eine Person vor mir gesehen haben, sie im Arm gehalten haben. Zumindest bevor ich eine Entscheidung wegen einer Beziehung fälle.

Das hat mehrere Gründe:

  • Man gewinnt einen tatsächlichen, ungeschönten Eindruck vom potenziellen Partner
  • Man fühlt, ob die Person zu einem passt.
  • Man fühlt, ob man sich bei dieser Person wohl fühlt.

Daher kann ich es auch nur schwer nachvollziehen, dass man einen Online-Freund hat, den man vorher noch nie gesehen hat. Doch zurück zum eigentlichen Thema.

Wenn oben genannte Fragen alle mit „Ja, die will ich echt an meiner Seite behalten“ beantwortet sind, kommt der Moment, in dem Man(n) den nötigen Arsch in der Hose haben muss.
Klingt im ersten Moment sehr traditionell und althergebracht, doch steckt darin für mich doch ein Stückchen Wahrheit.
Was also tun?

Ein kleiner Zettel mit „Ja, Nein, Vielleicht“? Klingt für mich nach „Also eigentlich mag ich dich ganz gerne, doch wenn du nicht willst….also du musst nicht ja sagen…vielleicht geht auch für den Anfang erstmal vielleicht?„?
Ganz klar: Nein.

Auch wenn es nun ein wenig pathetisch klingen wird:
Manchmal ist einfach ein Moment gekommen, bei dem es keine Kompromisse geben kann.
Wenn über Gefühle gesprochen wird ist zum Beispiel einer dieser Momente.
Entweder man hat Gefühle, oder man hat keine. Entweder man will eine Person an seiner Seite haben oder eben nicht. Bei Kompromissen kann es bei diesem Thema nur Verletzte auf beiden Seiten geben.
…und wer will schon einen Wegbegleiter an seiner Seite haben, bei dem man nicht weiß ob er oder sie beim ersten kleinen Wolkenbruch sich den leichteren Weg suchen wird.

Ich frage. Warum?
In kurzen Worten: Weil es Klarheit schafft. Wenn man sich unsicher ist, was dies Ganze zu bedeuten hat, wenn man nicht weiß ob die Person gegenüber gleich, oder zumindest ähnlich, fühlt, dann muss man fragen.
Natürlich ist das ein Moment vor dem viele Schiss haben. Ein Alles-oder-Nichts. Es ist eine große Selbstoffenbarung, bei der man ordentlich auf die Schnauze fliegen kann. Doch in einer Beziehung erwarte ich, dass man auch den Mut hat Themen anzusprechen die Überwindung kosten. Hat man diesen Mut nicht, wird er auch später fehlen. In den Momenten, in denen es dann darauf ankommen mag.

Weiterer Punkt zum Thema Klarheit: Man wird nicht böse überrascht.
Stell dir vor, du hast eine Person gefunden an dessen Seite alles so ist wie du es dir erträumt hast. Du fühlst dich bei ihm/ihr rundum wohl, die Küsse sind hervorragend und der Sex befriedigend.
Dann der Satz der alles Leben aus dir herraussaugt:

Ich habe eine/n neue/n PartnerIn.
Du denkst dir nur noch „W.T.F!“ Was soll der Scheiß, wir waren doch zusammen. WIR WAREN DOCH ZUSAMMEN
„Wieso? Haben wir nie drüber geredet.“
*Badumm Tschsss*

Weil es Verbindlichkeit schafft.
Ich wollte ja eigentlich nicht die ganze Zeit Tinder bashen, aber….na ok, vielleicht doch. Ein wenig vielleicht.
Doch nur, weil es ein Stichwort ist, bei dem viele die gleichen Assoziationen haben wie ich.
Wenn man die Beziehungsfrage(n) gestellt hat, herrscht nicht nur Klarheit über den weiteren Weg, sondern man hat auch eine Verbindlichkeit geschaffen.
Erst vorgestern habe ich mich über das Thema Verbindlichkeit noch ausführlich mit @NordlichtausHu und @ScullyDi unterhalten.
Diese schafft man, meiner Meinung nach, nicht indem man seinen Tinder- oder Lovoo-Account zusammen deaktiviert. Indem man aufhört aktiv nach anderen (Sexual-)Partnern zu suchen. Verbindlichkeit schafft man, indem man gegenseitig sagt: „Dein Arsch gehört in mein Bett und in kein anderes.“

In dem besagten Gespräch kam auch das Thema Angst vor Verbindlichkeiten auf. Viele wollen vielleicht keine verbindliche Aussage mehr treffen. Über die Gründe darüber kann ich weitestgehend nur spekulieren. Vermutlich spielt auch die Angst vor Einschränkung eine Rolle. Von Verpflichtung. Von „man kann sich darauf berufen“.

Womit wir beim nächsten Grund wären: Man kann nicht „ausversehen“ Fremdgehen.
Wenn klar ist, dass man sich für eine monogame Beziehung entschlossen hat, kann man nicht ausversehen Fremdgehen. Nein, man wusste es. Es war klar, dass man an die (nächtliche) Seite einer bestimmten Person gehört. Man kann nicht sagen, „Ich wusste gar nicht, dass wir zusammen sind. Haben wir nie drüber gesprochen.

Als letztes komme ich noch auf einen Grund zu sprechen, der fernab aller logischen Zusammenhänge existiert.
Es fühlt sich für mich richtig an.
Auch für gefragte Personen fühlt es sich anders an. Hier mal ein Zitat von einer Antwort auf die Umfrage:

Als bisherige Ungefragte muss ich ja zugeben, es hat was gefragt zu werden

Ich finde, es ist bei lebensverändernden Dingen wichtig, dass man darüber sprichtt. Ja, eine Beziehung verändert dein Leben. Ob du willst oder nicht. Du kannst es leugnen, aber verändern wird es sich definitiv. Also kann man auch fragen „Willst du mit mir zusammen sein/leben/gehen/…“ Wenn ihr jemanden heiraten wollt, fragt ihr doch schließlich auch, oder?
Ebenso ist es auch mit einer Beziehung. Vielleicht nicht mit so vielen juristischen Konsequenzen, doch eigentlich ist es das erste „JA“ in Richtung Standesbeamten.

…und ganz ehrlich, mich würde es schon irritieren, wenn auf einmal jemand sagen würde, „Hey, wir haben uns nun jahrelang gut verstanden, lass mal heiraten gehen.“ 😉

Gehabt euch wohl.
Gruß Jan

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