Willst du ein Haus oder deine Freiheit?

Kommst du denn vielleicht noch mal zurück und lässt dich hier nieder?

Eines Sonntags sitze ich mal wieder bei meinen Großeltern in der Küche und bekomme die immer wieder aktuelle Frage gestellt. Ob ich nicht wieder zurückkommen wolle?!

Nicht, dass sie mir das Glück in der Ferne nicht gönnen würden, aber „man hat die Familie doch gerne in der Nähe“. Immerhin haben sich meine Geschwister auch bereits in der Nähe mit eigenen Wohnungen niedergelassen und ich bin der Einzige, der noch in der Welt herumstromert.

Immobilien. Ein Thema, das scheinbar nur eine logische Schlussfolgerung zulässt: Wer ein Eigenheim hat, ist endgültig angekommen. Weiß, wo er zuhause ist. Ist gefestigt in seinem Lebenslauf. Deswegen musste meine anschließende Frage fast schon wie Ketzerei klingen.

„Warum sollte ich mir irgendwann mal Eigentum zulegen? Eventuell sogar ein Haus? Das macht doch gar keinen Sinn.“

Ist ein Haus der Weisheit letzter Schluss?

In dem Gespräch folgten einige Argumente, die ich euch hier nicht vorenthalten möchte. Wie durch den Titel schon angedeutet, waren meine Oma und ich nicht so ganz einer Meinung.

Wenn du Eigentum hast, brauchst du keine Miete mehr bezahlen.

Faktisch, per Definition, vielleicht richtig. Liegt aber eher daran, dass man dann der Wortbedeutung nach keine Miete mehr zahlt, sondern Tilgungszahlungen. Nicht zu vergessen: Grundabgaben, Steuern, Zinsen. Die Nebenkosten selbstredend natürlich auch. Je nach Größe des Eigenheims, dürfte das die Höhe einer Miete locker übersteigen. Reperaturen nicht mit eingerechnet.

Wenn ich das abgezahlt habe, gehört es mir und niemand kann es mir wieder wegnehmen.

Bei den meisten stimmt dieses Argument. Hoffentlich. Ansonsten ist dein/e ehemalige/r PatnerIn ganz scharf auf deine Bude, die Bank sowieso. Und sobald Du in eine finanzielle Schieflage gerätst, stellt sich die Frage nach dem Wert des Hauses und wie viel man da wohl noch rausholen könnte.

Wenn du Eigentum hast, brauchst du dich nicht mehr mit den anderen nervigen Mietern rumärgern

Echt? Aus den nervigen Mietern von gestern werden teilweise dann die nervigen Miteigentümer von morgen. Haken an der ganzen Sache:
Die wirst du die nächsten 35 Jahre auch nicht wieder los. Weil dafür haben sowohl du als auch sie zu viel Geld in das Projekt Eigenheim gesteckt.

Wo bleibt nun das mit der Freiheit?

Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel verstanden als die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen allen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff benennt in Philosophie und Recht der Moderne allgemein einen Zustand der Autonomie eines Subjekts.

Nehmen wir als Erstes mal das Offensichtliche: Du bist langfristig an einen Ort gebunden. Du kannst zum Beispiel nicht so wie Conni und Sebastian einfach deinen Krempel zusammen packen und in einem anderen Land neu starten. Ok, ehrlich gesagt können wir das mit einer Mietwohnung auch nicht ganz so spontan, aber dort haben wir nur eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Müssen nicht erst noch ein Haus verkaufen.

Zudem sind wir, was wir leider mittlerweile auch müssen, beruflich flexibler. Ausbildung in Düsseldorf, Studium in München, Weiterbildung in Berlin, neuer Job in Hamburg. Schon blöd, wenn währenddessen noch das Haus in Düsseldorf abgezahlt werden muss. Ich behaupte mal ganz frech an dieser Stelle, dass das für viele vermutlich nicht machbar ist. Irre ich mich?

Ich bin finanziell unabhängig

Wenn ich zur Miete wohne, habe ich noch eine verhältnismäßig große finanzielle Selbstständigkeit. Hingegen wenn ich in einem Kredit mit drin hänge, bin ich meist auf jemanden anderes mit angewiesen. In den meisten Fällen vermutlich auf den Ehepartner. Dann müsste ich mir nicht nur darum Gedanken machen, dass die Finanzierung möglichst gut läuft, sondern auch die Partnerschaft. Denn, wenn es auseinanderbricht, wer bezahlt dann den Kredit weiter?

Ich kann mir meine Nachbarn aussuchen

Wenn mir meine Mitbewohner oder Nachbarn zu sehr auf die Nerven gehen, kann ich einfach ausziehen und mir eine andere Umgebung suchen.

Der Artikel klingt bisher vielleicht ein wenig negativ. Soll er aber gar nicht gemeint sein. Wer sich einer Region, und nicht nur einem Fußballverein, verbunden fühlt und sesshaft werden will, wer weiß dass er Jahrzehnte in die  Zukunft sieht und immer noch die gleiche Stadt sieht, soll sich sehr gerne Eigentum kaufen. Ich drücke euch beide Daumen, dass euer Traum langfristig in Erfüllung geht und ihr zufrieden und glücklich werdet.

Ich persönlich bin noch nicht so weit mich für immer an einer Stelle niederzulassen. Ich bezweifele, dass Hamburg mein letzter Arbeitsort gewesen sein wird bis zu meiner Rente 2050. Ich genieße lieber den Service, den ich hier in meiner Mietwohnung geboten bekomme.

Service?
Ja. Service.
Ich bewohne eine Wohnung, in der selbst die Küche mit gemietet ist. Warum das von Vorteil ist? Vor kurzem ist der Kühlschrank in die ewigen Frostgründe gewandert. Totalschaden. Wäre das nun mein Kühlschrank gewesen, hätte ich mir für einige hundert Euro einen Neuen kaufen müssen. Stattdessen lief es so, dass ich meiner Hausverwaltung eine Mail geschrieben habe und sagte „Kühlschrank hin, mach was.“
Techniker kam, bestätigte den Schaden und einige Zeit später hatte ich einen nagelneuen Kühlschrank bei mir in der Küche. Gezahlt habe ich dafür zum Beispiel: gar nichts.

 

Mein persönliches Fazit:

Ich sehe im Eigentum gegenüber dem Mietwohnen bisher noch keinen finanziellen Vorteil. Keinen Vorteil, der groß genug ist, um die Flexibilität zu übertrumpfen. In einer Welt, in der sich auch das Privatleben immer schneller dreht und die Ortsgebundenheit nur noch zeitlich begrenzt zu sein scheint. Die persönliche Zukunft immer mehr von unbeständigen Beziehungen geprägt ist, und man flexibel sein muss, um dem Arbeitgeber einen guten Service bieten zu können was die Arbeitsorte angeht.

In dieser Zeit genieße ich den Luxus, den mir ein Heim geben kann, dass ich passend zu meiner aktuellen Lebenssituation wechseln kann.

 

Wie seht ihr das Ganze?
Schreibt es mir in die Kommentare.

 

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blog-Parade zum Thema Immobilien. Mehr dazu beim Initiator des Ganzen, dem werten Herrn @Abendfarben und der Firma Hausmann Immobilien, die die Parade als Sponsor begleitet.

Die anderen Artikel bekommt ihr hier zu lesen:

1) @abendfarben mit seinem Artikel zu Architektur und Fotografie in Hamburg

2) @daruminde mit ihrem Artikel Ein Dach über dem Kopf braucht jeder ODER Lebensabschnittbegleiter der anderen Art

 

Posted in Allgemein and tagged , , , , , , .

Schreibt hier seine Gedanken nieder.

Hält überflüssige Worte für eben genau das. Daher erscheint hier ein Beitrag nur dann, wenn Worte auch gesagt werden wollen.

9 Comments

  1. Hallo Jan, mir gefällt diese Kolumne ( wie wir Ossis so einen Blog nennen würden) sehr gut. Es gibt so viele Leben, die einer Baustelle gleichen….da muss es in der Tat nicht auch noch die Baustelle “ Eigenheim“ geben.Die Dinge ändern sich ständig….und das ist auch gut so. Ein Eigenheim ist kein Garantieschein für Friede, Freude, Eierkuchen. Ich finde es jetzt, wo ich nicht mehr in einem Eigenheim wohnen muss, sehr schön zu hören, wie auch andere Eltern ihre Kinder anschreien.Von anderen Geräuschen ganz abgesehen. Die Welt ist für mich wieder irgendwie bunter geworden. Bleib dabei und lebe da, wo es dir gefällt….dann wird auch alles gut.

    • Vielen lieben Dank für den Kommentar.

      Das Thema Eigenheim erinnert mich irgendwie immer an meins, meins, meins.

      Mein Auto, mein Haus, mein Boot.
      Wer damit glücklich wird, soll es werden. Mein persönliches Ziel ist es voraussichtlich allerdings nicht.

  2. Pingback: Haus oder Freiheit – Die Blogparade zu Immobilien › Hausmann News

  3. Pingback: Architektur und Fotografie in Hamburg – Die Blogparade zu Immobilien | Abendfarben

  4. Pingback: Blogparade Hamburg zum Thema Immobilien | Hamburger Blogger

  5. Beim Lesen Deines Beitrags habe ich mich von Zeile zu Zeile älter gefühlt 😉 Denn genauso habe ich es auch mal gesehen, nämlich als ich Deinem Alter war. Heute ärgere ich mich, dass ich nicht schon viel früher über den Kauf einer Wohnung nachgedacht habe. Viele Deiner Argumente sich nachvollziehbar und so war der Wunsch nach Flexibilität sicherlich mein wichtigstes Argument, aber z.B. in meiner bisher liebsten Wohnung habe ich 13 Jahr gewohnt. Und wie wäre es heute, wenn ich mal so eben umziehen möchte, weil mir irgendwas in meiner aktuellen Wohnung nicht passt? Das wäre nicht so einfach. Wie gesagt, meine Sichtweise auf dieses Thema ist heute eine andere. Zur Miete würde ich auf Dauer nur noch wohnen wollen, wenn es tatsächlich genügend bezahlbare Wohnungen gäbe und man sich alle paar Jahre mal verändern könnte, aber gerade in Hamburg sehe ich diese Möglichkeit absolut nicht. Und wer will schon aus Hamburg wegziehen 😉

    • Sicherlich will niemand aus Hamburg wieder weg ziehen. Das ist ja gerade das Problem mit dem Wohnraum 😉

      Spaß beiseite. Ich sehe, dass es mittlerweile wieder einen Trend gibt weg vom umziehen wollen, hin zum umziehen müssen. Auch unabhängig vom Freiheitswunsch.

      Mal sehen wie ich das in ein paar Jahren beurteilen werde.

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar.

  6. Hallo!
    Ich habe sehr lange genau das selbe Problem gehabt. War lange Zeit im Ausland und immer diese Frage der Eltern. Ich kann mich noch erinnern, dass ich ein ganz mulmiges Gefühl hatte, als ich mir dann doch (auch auf Druck der Familie hin) meine erste eigene Wohnung gekauft habe, weil ich geahnt hatte, wieder ins Ausland zu wollen. Ich fühlte mich „gefangen“ bzw an den Ort gebunden und das auf eine sehr unangenehme Art.
    3 Jahre später bin ich dennoch ins Ausland, die Wohnung stand eine Zeit leer und später wollte ich sie vermieten, bin aber dann doch nach einem Jahr wieder zurückgekehrt (aber nicht wegen meinem Heimatort, sondern weil es beruflich im Ausland nicht so recht geklappt hatte)
    Seit damals sehe ich das ein wenig lockerer: eine Wohnung, die einem gehört, kann man vermieten, sollte einen wieder das Fernweh packen.
    Ich habe jetzt eine große Wohnung, die komplett nach meinen Vorstellungen gestaltet wurde. Ich weiß, dass meine Familie denkt, dass ich mich nun endgültig niedergelassen habe. Vielleicht. Aber für mich ist das keine „Endstation“, denn sollte mich das Fernweh wieder packen, dann wird mich sicher nicht eine Wohnung daran hindern, wegzugehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.