Ich habs doch geschrieben….bei Twitter.

Auch Fromme kommt zu dem Schluss, dass die „Face-to-Face-Kommunikation“ mit dem Freundes- und Bekanntenkreis durch digitale Kommunikationsformen nicht ersetzt, sondern fortgeführt, ergänzt und zum Teil sogar vertieft werden kann

http://informationszentrum-mobilfunk.de/wie-beeinflusst-die-digitale-kommunikation-unser-sozialverhalten

Du kennst sicherlich diesen Gedankengang:
Wenn ich etwas schreibe lesen es wieder alle. Vor allem auch diejenigen, die es eben nicht lesen sollen.
Daher hält man sich mit privateren Details öfter mal zurück, oder schreibt in der Onlinewelt erst gar nichts davon. Weil es ja alle lesen könnten und auch, und vielleicht auch gerade die Personen, die es nicht wissen sollen.

Stellen wir uns aber einfach mal vor du bist nicht der selbstvermutete Mittelpunkt des Universums.
Deine Nachrichten erreichen vielleicht eine Vielzahl von Personen, doch es sind ganz andere als du erwartet hast. Deine Erzfeinde haben vielleicht gerade zufällig eine andere Person zu ihrem Lieblingsziel erklärt, Freunde haben keine Zeit zu lesen was du schreibst oder in den Medien zufällig gerade einen anderen Fokus. Sprich: Es liest keine Sau, was du geschrieben hast.
Auch wenn ich 2.000 Interaktionen pro Tag auf meinem Twitter-Account habe, Fakt ist: Nicht jeder Follower sieht alles. Selbst wenn man Twitter so intensiv nutzt wie ich, verpasst man schon vieles im Umfeld. Erst recht natürlich, wenn man es nur als Gelegenheitstwitterer nutzt.
Man munkelt von ungefähr 10% der Follower, die mit einem Tweet tatsächlich interagieren. Selbst wenn man hierbei vorraussetzt, dass Follower den Tweet zwar sehen, doch nicht auf diesen reagiert, kommt man meiner Schätzung nach vielleicht auf eine Reichweite von 20%.
Bei einer Reichweite von 1.500 Followern wären das gerade mal 300 Personen.
Das ist weit, weit, entfernt von „Ich bin der Mittelpunkt meiner sozialen Netzwerkwelt

Immer wieder höre ich Sätze wie „Hast du meinen Tweet gesehen?“ und ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung davon habe, was gemeint ist. Natürlich kann man Accounts abonnieren und über alles informiert werden. Doch wenn man das macht, kann es wirklich anstrengend werden. Gerade, wenn diese Person dann viel schreibt und/oder retweete. Es kann mal passieren, dass man etwas aus Versehen übersieht. Das man etwas übersieht ist ja kein Problem, immerhin hat man dann zwischen Freunden weiterhin etwas zu erzählen. Problematisch wird es erst wenn vorrausgesetzt wird, dass die entsprechenden Beiträge gesehen und gelesen wurden. Wenn man nahtlos daran anküpft und die Person sich dadurch vor den Kopf gestoßen fühlt. Weil es ihr vorher nicht erzählt oder gesagt wurde.

Mir ist es vor Kurzem selbst passiert. Ich hatte eine anstehende persönliche Veränderung angesprochen und wurde ein wenig vorwurfsvoll darauf hingewiesen, warum ich denn davon bisher noch nichts erzählt hatte. Dabei hatte ich immer mal wieder auf Twitter darüber etwas geschrieben. Meist als kleine Andeutungen oder Hinweise. Manchmal auch ein wenig konkreter, doch bisher nicht in einem persönlichen Gespräch. Gerade bei einer Person die einem Nahe steht kommt das dann natürlich schon blöd an. Immerhin kennt man sich ja besser. Besser als man „diese Leute“ aus dem Internet kennt.

Twitter macht es einem sehr sehr leicht sich schnell und knackig mitzuteilen. Mal eben einen Tweet abzusetzen dauert schließlich nicht lange. Über Twitter macht man sich ansprechbar, bietet einen Impuls Gespräche anzufangen oder Gedanken aufzugreifen. Gerade dann wenn ein Kontakt und/oder Gespräch ausschließlich online verläuft, sei es über Netzwerke oder Messenger, wird es flüchtig.

Keine Frage, es können sich sehr intensive Gespräche entwickeln, doch diese bleiben flüchtig. Die Aufmerksamkeit wird oft schnell wieder mitgerissen und so merkt man teilweise erst Wochen später, dass man ja mit Person XY schon lange nicht mehr geschrieben hat. Vielleicht werden stellenweise durch diese vielen wechselnden Gesprächspartner auch andere Gespräche oberflächlicher. Gerade auch bei Personen bei denen man sich das vielleicht nicht wünscht.
Wichtig bleibt doch, dass Gespräche nicht geführt werden um zu reden. Wichtig ist, dass Gespräche in die Tiefe gehen.
Das muss ich mir vielleicht auch erst wieder ein wenig antrainieren.

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