Ich und mein Stalker – Was kann ich tun?

Dunkle Gassen, spärliches Licht erhellt punktuell den Asphalt. Zügige Schritte sind zu hören. Immer wieder dreht sich die junge Frau nach Hinten um. War dort nicht wieder dieser Schatten?
Seit Tagen schon fühlte sie sich beobachtet.
Immer wieder dieses Auto mit dem fremden Kennzeichen. Wie durch Zufall: Der Mann der ihr ständig über den Weg lief.
Der Schatten der ihr Abends folgte.

Im Leben außerhalb der digitalen Welt kann man sich auf seine Sinne verlassen. Dem Instinkt folgen. Dennoch passiert es dann doch mal vereinzelt, dass man überraschend jemandem gegenüber steht, dem man eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Vorsichtige Menschen würden bei einem Verdacht vielleicht andere Wege nutzen, diese immer wieder ändern. Doch was soll man tun, wenn der Täter plötzlich, überraschend und ohne Vorwarnung im eigenen Wohnzimmer steht? Als digitale Person im digitalen Rückzugsraum?

Eine sehr gruselige Vorstellung.
Doch zunehmend Realität.

Gerade in der letzten Zeit äußerten erneut, vorwiegend Frauen, dass sie gestalkt wurden. Nicht offline, sondern online.
Das plötzlich eine fremde Person das gesamte recherchierte Leben präsentierte. Namen, Adressen, Arbeitgeber.
Dabei wähnte man sich doch gerade im Internet so sicher.

Denkste! Je alltäglicher das Internet wird, um so sorgloser gehen viele damit um.

Die Generationen die mit dem wachsenden Internet groß geworden sind, scheinen noch recht vorsichtig zu sein. Welchem sozialen Netzwerk welche Daten anvertraut werden wird hier möglicherweise noch hinterfragt. LinkedIn wird nicht die gleichen Statusbeiträge erhalten wie Facebook. Von Twitter mal ganz zu schweigen. Auch Instagram erhält inhaltlich andere Postings als zum Beispiel Google+. Soweit denkt noch jeder mit. Was aber passiert, wenn man sich in einem neuen Netzwerk anmeldet?

Man sucht den Kontakt zu Personen die man schon kennt. An dieser Stelle möchte ich das Kleine-Welt-Phänomen (Stanley Milgram, 1967). Dort wurde in Versuchen nachgewiesen, dass jeder Mensch mit jedem anderen in Kontakt steht. Dazwischen befinden sich nur 6 Personen.
Heißt: Finde ich nur die richtigen Personen ist es eine Frage der Zeit, bis man dich findet.

Also muss man einer Person nur auf mehreren Netzwerken folgen um eine Vielzahl an Informationen erhalten zu können. Google tut dann sein übriges dazu.
Diese gewonnenen Informationen ergeben dann ein Gesamtbild, das selbst das Opfer erstaunt. Vielen ist einfach nicht klar, wie viele persönliche Informationen sie selbst online preisgeben.

Das nur als kleiner Exkurs, wie es möglich ist an die Daten zu kommen.

Kommen wir zurück zu unserem Stalker

Was also tun, wenn der digitale Verfolger plötzlich vor einem steht?

Eigentlich kann man sich auch hier an der Offline-Welt orientieren:
Ganz klar und unmissverständlich äußern, dass man in Ruhe gelassen werden will.

Sollte das nicht helfen, bestehen weitere Möglichkeiten in Form von Sperren in sozialen Netzwerken.

Bezogen auf Twitter wären diese zum Beispiel folgende:

  • Den Account stummschalten. Hat den Vorteil, dass man die Nachrichten nicht mehr erhält und die Person es nicht mitbekommt.
  • Den Account blocken. Vorteil: Es ist keine Kontaktaufnahme mehr möglich. Nachteil: Der Stalker bekommt es mit. Hilft also primär dann, wenn auch via DMs kommuniziert wird.
  • Den Account auf privat stellen. Schränkt allerdings dann massiv die eigene Reichweite ein.

Noch eine kleine Bemerkung zu diesen Optionen: Die nützen nur etwas, wenn man seinen Gegner kennt. Heißt im Umkehrschluss: Blocke ich eine Person muss ich im Zweifelsfall damit rechnen, dass diese Person nur Minuten später als ein anderer Account wieder auftaucht.

Was soll ich tun wenn ich alle anderen Möglichkeiten bereits erfolglos ausprobiert habe?
Macht umfassende Screenshots.
Klingt im ersten Moment völlig harmlos, ist aber ein wichtiges Beweismittel, welches bei einer Anzeige vollwertig anerkannt wird.
Im Anhang an diesen Artikel werden sich auch noch hilfreiche Anlaufstellen befinden, an die sich die Opfer wenden können.

Wichtig ist auch: Wende dich nicht nur an die offiziellen Stellen.
Sprich viel eher noch mit deinem vertrauten Umfeld. Eltern Freunde, Bekannte.
Bleib mit deinem Problem nicht alleine.

Gerade in Zeiten in denen du dich unwohl fühlst, ist es um so wichtiger jemanden an deiner Seite zu haben dem du vertrauen kannst. Vielleicht ist die unerwünschte Aufmerksamkeit nur eine kurze Phase, bis der Stalker das Interesse verliert. Diese Zeit kann man vielleicht noch so überbrücken.
Am besten klappt das wie gesagt, wenn man dabei nicht alleine ist.

Sollte es aber nicht nur ein kurzer Zeitabschnitt sein, so sind die Vertrauten um so wichtiger, denn sie geben dann Kraft wenn sie dir ausgeht.
Ständig unter Anspannung und Stress zu stehen raubt unwahrscheinlich viel Energie. Gerade deswegen ist es wichtig jemanden zu haben bei dem man die Batterien wieder aufladen kann.
Die dann die letzten Energiereserven in dir aktivieren, damit du den Schritt zu den Behörden machen kannst, um dir rechtlich helfen zu lassen. Hier kommen dann auch wieder die Screenshots ins Spiel.

Zum Abschluss noch die versprochenen Anhänge:

Hier gehts zur Telefonseelsorge: http://www.telefonseelsorge.de

Hier zur Onlinewache der Polizei: Suchergebnisse bei Google
und als Extra noch ein paar Hinweise zu Anzeigen bei der Polizei

Hier hilft der Weisse Ring e.V., der sich für die Opfer engagieren: http://weisser-ring.de

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