Was ist Mut? – Diese Visitenkarte

Um die Frage „Was ist Mut?“ beantworten zu können möchte ich dieses Mal mit einer kurzen Geschichte in den Artikel starten.

Die erste Nacht im Hotel war ganz gut verlaufen. Die Umgebung ruhig und das Kind hat die komplette Nacht über geschlafen. Nicht immer eine Selbstverständlichkeit. In einem fremden Bett. In einer fremden Stadt, in einem fremden Land. Überraschenderweise war auch das Frühstück bisher angenehm ruhig. Bisher nur ein paar Personen am Buffet. Eine angenehme Lautstärke und vorbildliche Manieren des Nachwuchses. Vielleicht sollte ich öfter ins Ausland fahren mit ihr.

Am Buffet dann diese Dame. Geschätzt zwischen 30 und 40 Jahren, teures Businessoutfit. Unsere Blicke hatten sich bereits ein paar Mal gekreuzt, doch sie schien eher durch den Raum geschaut zu haben. Plötzlich nebeneinander am Buffet. Zwischen Besteck und Brötchen plötzlich nebeneinander. Ein kurzes Räuspern und ihre leise weiche Stimme ist zu hören. Überraschenderweise spricht sie perfekt deutsch. Zwar mit leichten Akzent, doch der ist kaum wahrzunehmen.

„Guten Morgen“, beginnt sie mit einem dezenten Lächeln, „ich habe gesehen wie wohlerzogen ihr Kind sich benehmen kann.“ Direkt formt sich der Gedanke, dass mich das diesen Morgen selbst verwundert, doch zu hören ist ebenfalls eine freundliches „Guten Morgen“. Sie nutzt ihre Chance um direkt weiter zu reden und ihre großen, runden Augen stehen nur im ersten Augenblick im Gegensatz zu dem, was nun zu hören ist.
„… mich würde es sehr interessieren wie Sie dies hinbekommen haben. Wenn Sie möchten dürfen Sie mich gerne heute Nachmittag nach den Konferenzen anrufen.“ Mit einem Lächeln erhalte ich kurz danach bereits ihre Visitenkarte, während sie sich direkt im Anschluss den Aufschnitt genauer ansieht.

Auf der Visitenkarte nichts besonderes. Ein Name, ein größeres Unternehmen als Arbeitgeber und Handynummer, sowie Email-Adresse.
Aus Gewohnheit und Neugierde wird die Visitenkarte noch umgedreht. Zuerst glaube ich meinen Augen nicht, doch es steht tatsächlich dort:
„Ich hoffe Sie sind dominant.“

Daneben eine Durchwahl. Zimmernummer 379 also….

Warum starte ich mit dieser Geschichte in die Frage „Was ist Mut?“
Die Antwort ist ebenso leicht wie einleuchtend. Weil es hier bereits mehrere Gründe gibt von Mut zu sprechen. Damit wir allerdings für die nächsten Minuten die gleiche Definition von Mut haben, habe ich sie euch kurz raus gesucht:

Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich beispielsweise in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben

https://de.wikipedia.org/wiki/Mut

Für manche ist es zwar schon mutig ihr eigenen vier Wände für länger als 24 Stunden zu verlassen, doch um einen Urlaub in einem Fremden Land soll es hier an dieser Stelle nicht gehen. Sondern um eine Person die sich offenbart. Die beschriebene Frau könnte, genau genommen, jede sein. Genau das macht es aber in dem Moment tatsächlich auch zu Mut.

Dinge wie sexuelle Vorlieben oder sexuelle Orientierung kann man einer Person nicht ansehen.
Tatsächlich werden in den meisten Fällen solche Dinge nur vertrauten Personen offen gelegt. Personen bei denen man das Risiko verstoßen zu werden weit reduzieren kann.
In der heutigen Zeit sind die Vorurteile gegenüber manchen sexuellen Spielarten ein wenig geschrumpft. Was wohl auch an den Büchern und Filmen rund um Christian Grey und die Studentin Anastasia Steele liegen mag. Dennoch sind Dinge wie Homosexualität, Trans- oder Intersexualität immer noch ein tabuisiertes Thema. Klar werden auch diese immer mal wieder in die Öffentlichkeit gehievt, doch meist nur in Form von Thementagen oder bei passendem politischem Bedürfnis.
Von Sachen wie Autonepiophilie, Koprophilie oder Urophilie möchte ich in dem Zusammenhang erst gar nicht sprechen. Wobei, gerade beim letzten sich nun wohl doch ein weiterer Prominenter zu dieser Vorliebe bekannt. Oder hatten ihn die Geheimdienste damit konfrontiert? Ich bin mir nicht mehr sicher wie die ganze Story nun verlaufen ist.

Allerdings ist bereits ein anderes Detail schon ein Zeugnis von Mut.
Es beginnt bereits mit der Tatsache eine fremde Person anzusprechen. In einer Welt in der man in Foren bei Umfragen zu sexuellen Wünschen sein innerstes preis gibt, in dieser Welt wird es auch zunehmend schwerer auf „echte Menschen“ zu zu gehen. Da es kein „schützendes Internet gibt“. Dort kann man nicht erst minutenlang überlegen was man auf eine Frage antwortet. Kann man nicht ein heiles Leben vorgaukeln obwohl es einem absolut dreckig geht.
Je weiter sich die Welt digitalisiert, um so mehr Menschen mit dem Internet von Kindesbeinen aufwachsen um so mehr Mut braucht es sich anderen Menschen zu öffnen.
Zu zeigen: Ich bin nicht perfekt.

Der riesige Vorteil ist allerdings: Wenn Du dich öffnen kannst, den Mut dazu hast, dann wird dieser belohnt. Du wirst als Mensch wahrgenommen, bleibst deswegen im Gedächtnis. Und ganz vielleicht steckst du andere dann auch mit an sich zu öffnen. Daraus kann dann was Großes werden.

Gehabt euch wohl.
Bis später.

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Schreibt hier immer mal wieder seine Gedanken nieder.

Da er überflüssige Worte für eben genau das hält, erscheint hier nur ein Beitrag wenn er der Meinung ist, dass diese Worte auch gesagt werden sollen.

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